„Arabische Frauen“

Artur Nikodem

Trient 1870 - 1940 Innsbruck

„Arabische Frauen“

Fatih Camii-Moschee in Istanbul

Tempera auf Karton

24 x 26 cm

Rechts unten signiert: A. Nikodem.
Rückseitig originales Künstleretikett mit Werkstattanschrift Adamgasse 23 in Innsbruck; betitelt: „Arabische Frauen Juli 1916“

Provenienz:

Privatsammlung Luzern

Literatur:

Elio Krivdic und Günther Dankl (Hrsg.), Artur Nikodem. Maler und Fotograf der Moderne, Innsbruck 2017, Abb. S. 101

Seine Ausbildung als Telegrafist bewahrte Artur Nikodem vor dem Einsatz an der umkämpften Ostfront. 1915 erreichte ihn der Marschbefehl, woraufhin er zunächst in Sofia stationiert und von 1916 bis 1919 in Konstantinopel als Kommandant der Telegrafenabteilung eingesetzt wurde. Als er in die Türkei reiste, konnte er noch nicht ahnen, wie sehr ihn dieses Land beeindrucken und beeinflussen sollte. Er schaffte es, die Lebendigkeit der orientalischen Lebenswelt und die Farbenpracht seiner Umgebung, der Stoffe, Teppiche und Majoliken, in sein eigenes künstlerisches Werk zu übersetzen. So wie der Blauregen (Glyzinie) auf nebenstehendem Gemälde schien auch Nikodem in dieser Umgebung aufzublühen. In dem Gemälde „Arabische Frauen“ von 1916 fing Artur Nikodem die orientalische Atmosphäre mit lockerem Farbauftrag ein und kreierte eine Straßenszene mit mehreren Protagonisten. Der Blick des Betrachters wandert von den Männern und Frauen in farbenprächtigen Gewändern im Vordergrund über den satten Blauregen, der von rechts oben in voller Blüte ins Bild ragt, hin zur Moschee in zarten Rosa- und Orangetönen im Zentrum des Hintergrundes. Das Türkis im Umhang des türkischen Passanten in der Mitte wurde im Himmel wieder aufgenommen. Die Dächer der Stadt deckte Nikodem in Beerenrot und mischte über die gesamte obere Bildhälfte die unterschiedlichsten
Blautöne bei, womit er ein weiteres Mal seinem Gefühl für feinste Farbnuancen Ausdruck verlieh. Mit einem kräftigen, schwarzen Strich umschloss er seine Formen, der Weg wurde in zahlreiche Partien unterteilt. Der hier teilweise durchschimmernde Karton wurde zum farbgebenden Element. Mit diesem Gemälde präsentierte der Künstler seiner Nachwelt ein stimmiges Stück Orient und eine lebendige Szene, in die wir sehr gerne eintauchen.