Innsbruck 1932 - 2011 Wien
Glasfensterentwurf für die Christus der König-Kirche, Ruhstorf
Ausführung der Glasfenster in der Glasmalereiwerkstatt Ludwig Derix, Rottweil
Mischtechnik auf Papier, darüber graues Papier mit Motivausschnitt, Entwürfe kaschiert auf Kartonmappe
Mappe geöffnet: 48,8 x 140 cm
Rechts oben in der Mappe signiert PRACHENSKY
Provenienz:
Glasmalereiwerkstatt Ludwig Derix, Rottweil
Literatur:
vgl. Ausstellungskatalog "Markus Prachensky. Eine Retrospektive", Österreichische Galerie Belvedere, Oberes Belvedere, Wien 2002, Abb. S. 65
vgl. Ausstellungskatalog "Markus Prachensky. Retrospective in Red", Danubiana Meulensteen Art Museum, Bratislava 2013, Abb. S. 106f.
Zum Schaffen Markus Prachenskys zählen auch mehrere Glasfenster von Sakralbauten, primär in Deutschland, wo er durch seine Ausstellungstätigkeit und vor allem die Malaktion in Aschaffenburg einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Seine frühesten Entwürfe entstehen 1957 für die St. Josefs-Kirche in Hasloch bei Würzburg. Zwischen 1960 und 1962 arbeitet Prachensky an den Fenstern der Christus der König-Kirche in Ruhstorf an der Rott in der Nähe von Passau. Beide Sakralbauten stammen von dem Architekten Hans Schädel, dem Diözesan- und Dombaumeister des Bistums Würzburg und Leitfigur des Sakralbaus in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Jahren 1948 bis 1973 werden unter seiner Leitung 56 Kirchen gebaut. Von 1965 datieren zwei Glasfenster Prachenskys für die St. Ulrichs-Kirche in Stuttgart und ab 1973 finden sich drei in der Apsis der gotischen Stadtpfarrkirche St. Marien in Enns in Oberösterreich.
Unsere Entwürfe sind Vorarbeiten zur Christus der König-Kirche in Ruhstorf. Christkönigkirchen gibt es in Deutschland seit 1926, als das erste Gotteshaus in Bischofsheim bei Mainz ein solches Patrozinium erhielt. Die Christkönigsverehrung betont die Königsherrschaft Gottes im Gegensatz zur weltlichen Politik, bezieht sich aber auch auf die Passion Christi, als sich dieser von Pilatus als „König der Juden“ titulieren ließ. Das kräftige Rot und Orange in der Darstellung der Glasfenster können als Zeichen der Passion gedeutet werden. Im Gegensatz zu unserem Entwurf, der von runden Formen geprägt ist, ist im ausgeführten Fenster die Kreuzform als Sinnbild der Leiden und Auferstehung Christi deutlicher hervorgehoben. Die schwarzen Pinselzüge, die wohl für die seitlichen, schräg nach unten verlaufenden Partien gedacht sind, erinnern in ihrem skripturalen Gestus an japanische Schriftzeichen, sind aber in der Endausführung weitläufiger und länger gestreckt, wodurch sich die zum Scheitelpunkt der Fenster hin entwickelnde Aufwärtsbewegung noch verstärkt.