Frauenkopf

Fritz Wotruba

Wien 1907 - 1975 Wien

Frauenkopf

Bronze
Auflage 8 + 3 EA

H 46,5 cm

Seitlich unten nummeriert und monogrammiert: EA0 FW

Breicha WV Nr. 118/3
Das Gussbuch verzeichnet insgesamt 8 arabisch nummerierte und 3 mit EA bezeichnete römisch nummerierte Abgüsse.
Laut mündlicher Überlieferung handelt es sich um Wotrubas erste Frau, Marian Fleck.

Literatur:

vgl. Otto Breicha, Wotruba: Figur als Widerstand, Salzburg 1977, Abb. S. 52, Nr. 33
vgl. Otto Breicha, Fritz Wotruba Werkverzeichnis. Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle, St. Gallen 2002, Abb. S. 169, Nr. 118/3

An der Kunstgewerbeschule in Wien lernte Fritz Wotruba seine spätere Frau Marian Fleck, Tochter eines jüdischen Kaufmanns aus
Düsseldorf, kennen. 1929 heirateten die beiden. „[...] Marian ist schön [...]. Wenn sie gefällig ist und lacht, ist sie
besonders reizend. Und tüchtig ist sie [...]. Sie schreibt die meisten Briefe. Und redet wie ein Wasserfall, wenn sie überzeugt ist, dass
etwas geschehen müsse oder nicht dürfe [...]. Ihre eigene Plastik hat sie ganz aufgegeben. Sie ist doppelt ehrgeizig.“1 Robert Musil, 1940
„Marian widmete sich inzwischen mit einem Schwung, in dem viel künstlerische Improvisation steckte, dem Aufbau eines Wiener Zentrums, um nicht zu sagen, Salons. Nein, es handelte sich um keinen solchen, vielmehr um einen in der Seilergasse etablierten unbürgerlichen Mittagstisch, zu dem nicht formell eingeladen wurde. Man
durfte sich einfinden und fand sich ein, bisweilen en masse. [...] Man konnte bei [Marian] speisen, das Geld für eine Wäscherechnung ergattern, sich rasieren oder die Haare schneiden lassen. [...] Man durfte sich auch an Marian wenden, wenn man Lebensmittelkarten benötigte oder Verbindung zu einer alliierten Kulturinstanz, Klavierunterricht zu erteilen oder einen verpfändeten Gegenstand aus dem Dorotheum auszulösen wünschte, Wiens altehrwürdiger Pfandleihanstalt. Plötzlich, indes konnte man sie einen Schrei ausstoßen
hören: ,Himmels willen, unsere Kasse ist leer!‘ Von der Erscheinung Marians – sie war nun Anfang vierzig – ging eine seltsam zeitlose
Faszination aus. Ihr Profil, von FW oft gestaltet, hatte etwas Frühhellenistisch-Naxisches.“2 Ulrich Becher, 1967 1951 starb Marian Wotruba.