Zeitfresko e.a.

Ty Waltinger

Wien 1962

Zeitfresko e.a.

Öl-Inversionen mit alten Pigmenten
Leinen

Indischgelb, Cadmiumgelb, Gambogegelb, Chromorange alt, Lithopone, Bleiweiß, Cochenille,
Karmesinrot, Cadmiumrot, Zinnoberrot, Pariserblau, Smalte alt, Coelinblau, Manganblau,
Französischer Ocker, Terra di Pozzuoli alt, Drachenblut alt, Ultramarin, Lapis Lazuli, Veronesergrün,
Viktoriagrün, Elfenbeinschwarz, Atramentum, Rebschwarz, Rußschwarz, Pfirsichkernschwarz und viele
mehr

40 x 44 cm

Rückseitig signiert und beschriftet

Das Werk „Zeitfresko, e.a.“ kulminiert zwei zeitlich gegenläufige, malerische Prozesse, in denen sich
Vergangenheit und Gegenwart aufheben, bzw. ineinanderfließen. Die Werkserie „Zeit-Fresken“ war für die
Biennale Venedig 2017 konzipiert und basiert auf Leinen, auf das in über 16 (!) Jahren Malschicht um
Malschicht aufgetragen wurde. Jede Leinwand ist somit ein Archiv kostbarer, zwischen 1850 und der
Mitte des 20. Jh. erzeugter Farbpigmente. Vermalt wurden Farbpigmente nach alten Rezepturen in ÖlInversionen unter Verwendung von Venezianischem Lärchenharz, Dammar, Borax, Schellack, Gummi
arabicum und fein raffinierten Rosmarin-, Orangen- und Nelkenölen.
„Jedes Bild ist von Anfang an als persönliches Archiv des Malers und als Dokumentation des Flusses und
des Vergehens von Zeit angelegt. Die oberste Malschicht gibt bei ihm nichts von dem preis, was sich
darunter befindet. Ty arbeitete sich, einer zweifachen Logik gehorchend, zurück in die Tiefe, legte Malschicht um Malschicht und damit Zeitschicht um Zeitschicht frei. Wieder war es eine extrem zeitraubende,
minutiöse Arbeit, mittels Skalpellen und Abschleifen, vergleichbar dem Vorgehen eines Fresken freilegenden Restaurators. Der allerdings findet nur, der Künstler dagegen gestaltet, wählt aus und trifft
Entscheidungen, Quadratzentimeter für Quadratzentimeter, bis sich die Farbinseln zu einem Bildganzen
fügten. Aus der Gegenwart grub er sich zurück in die Vergangenheit, begleitet vom unaufhaltsamen
Fortschreiten der Zeit. Hier verfolgte der Künstler unbeirrbar seine Idee von der Aufhebung des Gegensatzes von Naturschönem und Kunstschönem und schuf al fresco-Metaphern des Werdens und
Vergehens.“ (Edelbert Köb)