Junges Mädchen im Profil, mit Hut

Egon Schiele

Tulln 1890 - 1918 Wien

Junges Mädchen im Profil, mit Hut

Roter Farbstift und Bleistift auf Papier

31,8 x 22,5 cm

Links unten signiert und datiert: SCHIELE / EGON / 08
Rückseitig bezeichnet: Unverkäufliches Eigentum von Dr. Otto Kallir, New York. / Frau Adele Harms aus Freundschaft auf Lebensdauer zur Verfügung gestellt. / 20. Feb. 1967. Otto Kallir

Kallir WV Nr. 170

Provenienz:

Michael Rosenauer
Galerie St. Etienne, New York

Ausstellungen:

Wien, Gustav Nebehay Kunsthandlung, "Die Zeichnung: Egon Schiele," Nr. 2, 1919
New York, Galerie St. Etienne, "Egon Schiele and the Modernist Culture of Youth," Nr. 44, 2005/06
New York, Galerie St. Etienne, "Egon Schiele´s Women", Nr. 5, 2012

Literatur:

Jane Kallir, Egon Schiele: The Complete Works. Erweiterte Auflage, New York 1998, Abb. S. 367, WV Nr. 170

Bereits in sehr jungen Jahren fiel Egon Schiele durch sein bemerkenswertes Zeichentalent auf. Seiner Mutter zufolge begann er bereits im zarten Alter von 18 Monaten zu zeichnen. Zeitlebens widmete sich Schiele unter anderem der Porträtmalerei, wobei Familienmitglieder, wie seine Schwester Gertrude, und Freunde seine Inspirationsquellen waren. Schieles Modelle waren Frauen des alltäglichen Lebens, der Straße. Die Zeichnung „Junges Mädchen im Profil, mit Hut“ fällt in jene Zeit Schieles, als er an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte. Die akademischen Aktzeichnungen, die der Künstler 1907 anfertigte, fokussieren auf die neutrale Erfassung des Körpers, während Schieles spätere Frauenporträts eine deutlich erogene Wirkung innehaben.
Die Zeichnung aus dem Jahr 1908 zeigt ein Porträt, das noch dem gemäßigten Akademiestil verhaftet ist. Herausgelöst aus einem räumlichen Umfeld, ist ein junges Mädchen im Profil zu sehen, das beinahe die gesamte Bildfläche einnimmt. Gekleidet ist sie in eine Jacke mit großen Knöpfen und auf ihrem Kopf trägt sie einen auffällig imposanten Hut. Delikat setzte Schiele den roten Farbstift ein, um die Lippen zu akzentuieren. Besondere Betonung schenkte er durch das kräftige Schwarz auch den Augen. Sein Geschick für präzise Konturzeichnung sticht in diesem Werk sofort ins Auge, insbesondere durch den Umriss, der hier das Bildmotiv dominiert – ein Charakteristikum seiner frühen Schaffensphase um 1908.