Czernowitz 1874 - 1951 Wien
Versammlung der Vögel
Öl auf Leinwand
68,3 x 51,8 cm
Rechts unten signiert und bezeichnet: O. Laske / OP 129
Rückseitig bezeichnet und datiert: Zum / 60 sten / 1941
Oskar Laskes stark narratives Werk bewegt sich an den Schnittstellen zwischen Realismus, Allegorie und poetischer Verdichtung. Seine Bilder sind nicht bloße Darstellungen, sondern bildnerische Denk- und Erinnerungsräume. In einer Zeit zunehmender Fragmentierung hielt Laske an der Idee fest, dass Malerei mehr sein kann als Oberfläche – nämlich Spiegel der inneren wie äußeren Welt.
In dem Gemälde „Versammlung der Vögel“ offenbart sich Laskes Sinn für das Mythische und Symbolische. Zentrum des Geschehens ist ein winziges Vögelchen (dem in Laskes Signaturstempel vergleichbar) auf einem Ast, das sich offenbar lautstark an seine Artgenossen richtet. Die Assoziation zur Vogelpredigt des Franz von Assisi liegt nahe, auch wenn der Mönch in diesem Bild nicht anwesend ist, zumindest nicht in menschlicher Gestalt wie in Laskes anderen Versionen des gleichen Themas.
In der christlichen Legende tritt der Heilige nicht als Prediger für Menschen, sondern für die Vögel auf – als Boten der Schöpfung, als „stumme“ Gemeinde. Die Tiere hören zu, bleiben still und dankbar – ganz im Gegensatz zur Menschheit, die sich 1941 in einem selbstzerstörerischen Welt krieg befand. Aus dieser Perspektive erscheint die Vogelpredigt wie ein utopischer Gegenentwurf: Eine Versammlung, die nicht durch Hass, sondern durch friedliche Vielfalt, Demut und Offenheit für das Göttliche geprägt ist.