Wien 1940
"Paros"
Aquarell auf Büttenpapier auf Leinwand kaschiert
107,5 x 73 cm
Rechts unten signiert und datiert: Martha Jungwirth 2000
Mittig bezeichnet: PAROS
Martha Jungwirth nimmt mit ihrer prägnanten Malerei nicht nur eine singuläre Stellung innerhalb der österreichischen Gegenwartskunst ein, sie genießt heute zu Recht den Rang einer international anerkannten Künstlerin. 1970 bezeichnet sie der US-amerikanische Künstler Robert Motherwell als eine der weltweit besten Malerinnen. Ihre Malerei bewegt
sich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Der freie Raum der Leinwand spielt in vielen Bildern eine große Rolle. Jungwirth versteht ihre
Malerei auch als energetischen, körperlichen Prozess. Die Farbe selbst bezeichnet keinen Gegenstand, sondern wird frei, dynamisch und mit großer Geste ins Bild gesetzt und vermittelt stets etwas Fluides, „ein Fleckengefüge, nichts Festgefahrenes“, erklärt die Künstlerin.
Silvie Aigner
Und dennoch haben ihre Bilder etwas Ausgewogenes, eine Art übergeordnete Struktur, die die Farbe im Raum der Leinwand nicht ins Chaos abdriften lässt, sondern zusammenhält. Die Bilder zeigen Jungwirths individuellen Zugang zur Malerei, in dem sie ein immer wiederkehrendes Repertoire an Formen und Farben verwendet. Sie setzt Farbe ungehemmt über- und nebeneinander und arbeitet mit dem Pinsel nochmals hinein. In fantastischer Weise wird dokumentiert, dass es Martha Jungwirth nie um ein ästhetisches Bild geht, sondern stets um pure Malerei – kraftvoll, dynamisch, souverän.1 Inspiration gaben der Künstlerin auch zahlreiche Reisen, etwa nach Istrien, Burma, Bali, Mexiko und Griechenland (vgl. „Paros“). „man (sei) ein anderer Mensch auf Reisen“, konstatierte sie, „da ist man weg von der Realität. Man ist durchlässiger und interessierter.“2
1 Silvie Aigner, in: Jubiläumskatalog der Galerie bei der Albertina-Zetter, Wien 2023, S. 172.
2 deutschlandfunkkultur.de/die-uebersehene-100.html