Hermann Nitsch

Wien 1938 - 2022 Mistelbach

Hermann Nitsch wurde 1938 in Wien geboren. Von 1953 bis 1958 besuchte er die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Erst arbeitete Nitsch als Gebrauchsgrafiker am Technischen Museum Wien, widmete sich aber bald der Malerei. Das Konzept seines „Orgien-Mysterien- Theaters“ entwickelte er bereits in dieser Zeit. Dieses Gesamtkunstwerk umfasst das breite Spektrum seiner Kunst und beansprucht alle fünf Sinne der Teilnehmer. Ab 1960 finden die ersten Malaktionen statt, die die Idee des „Orgien-Mysterien-Theaters“ umzusetzen versuchten. Die zur selben Zeit in New York durch Künstler wie Allan Kaprow organisierten sogenannten Happenings inspirierten Nitsch gemeinsam mit Otto Muehl und Adolf Frohner dazu, eigene Aktionen zu organisieren. Nitschs polarisierende Arbeiten führten allerdings zu ständigen Konflikten mit den Behörden, sodass mehrere Prozesse und drei Gefängnisstrafen folgten. 1968 übersiedelte der Künstler nach Deutschland. 1971 erwarb Nitsch das Schloss Prinzendorf in Niederösterreich. 1972 und 1982 nahm er an der documenta V und VII in Kassel teil. Zu den Höhepunkten im Werk Nitschs zählen das „Drei-Tage-Spiel” 1984 in Prinzendorf, der Zyklus von Schüttbildern, die er 1987 in der Wiener Secession herstellte und das „6-Tage-Spiel“, welches Nitsch unter Mitwirkung von 500 Personen 1998 im Schloss Prinzendorf realisierte. 2007 wurde das Museumszentrum Mistelbach eröffnet, das auf einem Drittel seiner Ausstellungsfläche Nitschs Werke präsentiert. Ebenso ehrte die Stadt Neapel den Künstler mit einem ihm gewidmeten Museum. Nitsch verstand die Malerei als eine der Disziplinen des „Orgien-Mysterien-Theaters“: Sie symbolisiert den Ursprung der Aktionen und ist zugleich auch deren Ergebnis. Hermann Nitsch gilt als ein bedeutender Vertreter des Wiener Aktionismus und international als einer der wichtigsten österreichischen Künstler. 2022 verstarb Nitsch in Mistelbach.