"Bittender"

Otto Eder

Seeboden 1924 - 1982 Seeboden

"Bittender"

Unikat

Holz

H 126 cm, B 37,5 cm, T 30,8 cm

Am Sockel monogrammiert E.

Rath WV Nr. 88

Literatur:

Ausstellungskatalog "Jubiläumsausstellung 120 Jahre Salzburger Kunstverein. Österreichische Staatspreisträger seit 1945", Künstlerhaus, Salzburg 1964, Abb. o. S., Nr. 25
Elisabeth Rath, Otto Eder 1924-1982. Figur und Formel. Biographie, Materialien zu Leben und Werk, Werkverzeichnis der Plastiken, Salzburg 1996, Abb. S. 225, Nr. 88

Otto Eder, Schüler von Walter Ritter und Fritz Wotruba war Zeit seines Lebens auf der Suche nach der allein gültigen und elementaren Form für seine Plastiken. Das Ziel war die Reduktion auf einige wenige Grundformen.
Diese Suche führte ihn zur Ei- und Kugelform. Darin sah er den Ursprung und die Grundkonzeption allen Lebens. In diesem Zusammenhang ist auch die Fruchtbarkeitssymbolik in seinen Arbeiten zu sehen.
Auf dem Weg zu seinem idealen „Plastischen System“ des Körpers entwickelte Eder meist in Eichen – und Birnholz oder Gips die verschiedensten Reduktionen der menschlichen Figur - so auch die hier gezeigte „Figurale Komposition I.“.
Die Skulptur ist reduziert auf den Kugelkopf und den zylindrischen Körper mit angedeuteten Füßen als Standfläche. Die Oberfläche ist durch die Arbeit mit dem Holzstichel regelmäßig und äußerst fein strukturiert. Die zart angedeutete eingeschnittene zweite Figur auf der Vorderseite kann als Kind oder als „Inneres Ich“ gedeutet werden.
Die Holzskulpturen hat es schon in der Entstehungszeit durch die Temperaturschwankungen gespalten. Eder selbst hat daraus eine Ideologie entwickelt. Der Sprung im Holz entspricht dem gespaltenen Kopf. Auf Anraten eines Freundes, er müsse die Holzfiguren besprühen um den Spannungen vorzubeugen hat Eder nur gemeint: „Aber her auf, wenn s`s z`reißt, dann z`reißt s`s.“
In den Wintermonaten hat sich Eder mit der Malerei beschäftigt. Immer war aber auch hier die Suche nach der idealen Form das Hauptthema.
Otto Eder war kein umgänglicher, einfacher Mensch. Zurückgezogen im Krastal in Kärnten lebte er die letzten Jahre vor seinem Freitod einsam und in ständigem Selbstzweifel.