Zwei Studien nach Lilith Lang im Profil

Oskar Kokoschka

Pöchlarn 1886 - 1980 Villeneuve

Zwei Studien nach Lilith Lang im Profil

Studie im Zusammenhang mit dem Märchenbuch "Die Träumenden Knaben" 1907-08

Bleistift auf Papier

30,5 x 30,2 cm

Unten Mitte monogrammiert: OK

Weidinger/Strobl WV Nr. 187
Weitere Studien zum selben Motiv auf der Rückseite (Weidinger/Strobl 187a)
Kleiner Riss am oberen Blattrand fachgerecht restauriert

Provenienz:

Paul Cassirer, Berlin
Wolfgang Gurlitt, München
Maria Gurlitt (bis Juni 1978)
Serge Sabarsky Gallery, New York
Nachlass Serge Sabarsky, New York, 1996
Vally Sabarsky, New York (im Erbgang von Serge Sabarsky 1996)
Vally Sabarsky Trust, New York 1996

Literatur:

Ernest Rathenau, Kokoschka Handzeichnungen, Berlin 1935, Tafel 3
Hans Maria Winkler und Friedrich Welt, Oskar Kokoschka: Das druckgraphische Werk, Salzburg 1975, S. 70ff.
Ilse Dolinschek, Oskar Kokoschkas Entwicklung als Illustrator 1906 bis 1909.
Eine Untersuchung anhand der Illustration „Die träumenden Knaben“ und „Mörder, Hoffnung der Frauen“, Diplomarbeit, Universität Eichstätt 1983, Nr. 31
Werner J. Schweiger, Der junge Kokoschka: Kunstgewerbeschule, Wiener Werkstätte, Cabaret Fledermaus, Kunstschau 1908, Wien 1983, S. 32ff.
Serge Sabarsky (Hrsg.), Oskar Kokoschka: Die frühen Jahre 1906-1926: Aquarelle und Zeichnungen, Stuttgart 1986, Abb. Nr. 4
Serge Sabarsky, Zeichnungen und Aquarelle des Deutschen Expressionismus, Galerie Jahrhunderthalle Hoechst, Stuttgart 1990, Abb. o. S.
Ausstellungskatalog „Oskar Kokoschka. Das Frühwerk (1897/98-1917). Zeichnungen und Aquarelle“, hrsg. von Alice Strobl und Alfred Weidinger, Graphische Sammlung Albertina, Wien 1994, S. 15
Alfred Weidinger und Alice Strobl, Oskar Kokoschka. Die Zeichnungen und
Aquarelle 1897-1916, hrsg. von Albertina, Wien und Oskar Kokoschka-Dokumentation, Salzburg 2008, Abb. S. 108, WV Nr. 187

Für diese frühe Zeichnung Kokoschkas von Lilith Lang ist ein Schönheitsideal charakteristisch, das seinen Ursprung in der Kunst George Minnes hat. Lilith Lang war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt. Kokoschka zeichnete ihren Körper jedoch bewusst kindlicher als er tatsächlich war. Und trotzdem steht der erotische Reiz des Mädchens im Vordergrund. Kokoschkas Liebe zu Lilith Lang, der Schwester seines Freundes und Kommilitonen Erwin Lang, war unerfüllt geblieben. Die Zeichnung, die im Zusammenhang mit den Studien zu den „Träumenden Knaben“ entstanden ist, gibt Lilith in zweifacher Ausführung wieder. Sie wird stehend dargestellt, mit einer abgewinkelten, ungewöhnlichen Armhaltung, wodurch sie ihr Gesicht teilweise bedeckt. Durch die geschlossenen Augen wirkt sie in sich ruhend. Der Strich der Zeichnung ist sicher und ?ießend gesetzt. „Das hier noch als dekorativ aufzufassende Motiv der eingeringelten Haare in der rechten Aktstudie wird im nächsten Jahr zu einem sehr wichtigen Ausdrucksträger Kokoschkas.“1 Die Sehnsucht nach dem Mädchen verarbeitete Kokoschka auch inhaltlich teilweise in seinem berühmten Märchenbuch „Die Träumenden Knaben“, verlegt von der Wiener Werkstätte 1907-08. Es handelt sich dabei um ein Hauptwerk seiner frühen Schaffensperiode, das gleichzeitig formal als ein Höhepunkt des Wiener Jugendstils in seiner schönsten Form angesehen werden kann.
1 Alfred Weidinger und Alice Strobl, Oskar Kokoschka. Die Zeichnungen und Aquarelle 1897-1916, hrsg. von Albertina, Wien und Oskar KokoschkaDokumentation, Salzburg 2008, S. 109