Der Tod ist eine Sphinx

Maria Lassnig

Kappel 1919 - 2014 Wien

Der Tod ist eine Sphinx

Öl auf Leinwand

100 x 115 cm

Rückseitig Etikett Barbara Gross Galerie, München

Provenienz:

Privatsammlung Deutschland, (1990 direkt von der Künstlerin erworben)
Barbara Gross Galerie, München
Privatsammlung, Süddeutschland

Ausstellungen:

Luzern, Kunstmuseum Luzern, 1989
Graz, Neue Galerie Graz, 1989
Hamburg, Kunstverein in Hamburg, 1989
Wien, Secession, 1989

Literatur:

Ausstellungskatalog "Maria Lassnig. Mit dem Kopf durch die Wand", Kunstmuseum Luzern, Neue Galerie, Graz, Kunstverein Hamburg, Wiener Secession, Klagenfurt 1989, Abb. S. 66/67, Nr. 15

Die überwältigende Mehrzahl der Werke Maria Lassnigs sind Selbstporträts. Sie wählt die Erforschung des eigenen Körpers und seiner stetig wechselnden Empfindungen als das maßgebliche künstlerische Thema, da es ihr im wahrsten Sinne am nächsten ist - mehr als jedes andere Sujet der Außenwelt je sein könnte. Ihr Beweggrund ist kein Narzissmus, sondern im Gegenteil eine schonungslose Selbsterforschung. Ohne Scheu vor intimen Entblößungen und ohne Rücksicht auf Ästhetik widmet sie sich einer intensiven Verinnerlichung, um das Körperbewusstsein, das ihr als außergewöhnlich sensibler Mensch besonders präsent ist, ungefiltert abbilden zu können. Realismus und Abstraktion gehen dabei fließend ineinander über, ihr Körper wird verkürzt, verzerrt, fragmentiert oder verschmilzt mit anderen Personen, Tieren oder Gegenständen.
Die Bildfindung geschieht nicht absichtsvoll, sondern ergibt sich als Ausdruck ihres jeweils aktuellen Empfindens. „Ich trete gleichsam nackt vor die Leinwand, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Modell, ohne Fotografie, und lasse es entstehen. Doch habe ich einen Ausgangspunkt, der aus der Erkenntnis entstand, dass das einzig mir wirklich Reale meine Gefühle sind, die sich innerhalb des Körpergehäuses abspielen: physiologischer Natur, Druckgefühl beim Sitzen und Liegen, Spannungs- und räumliche Ausdehnungsgefühle – ziemlich schwierig darstellbare Dinge“, so beschreibt die Künstlerin selbst ihren Schaffungsprozess (Maria Lassnig, zit. nach: Ausst.Kat. Maria Lassnig, Museum modernen Kunst/Museum des 20. Jahrhunderts Wien u.a., Wien 1985, S.79). Das daraus entstehende Motiv ist daher auch für den Betrachter nie restlos zu entschlüsseln, denn einzig die Künstlerin selbst weiß um die persönlichen Umstände, die es hervorbrachten.
„Der Tod der Sphinx“ zeigt Lassnig als Mischwesen zwischen Mensch und Tier in der klassischen Liegeposition einer Sphinx, den Kopf auf einen Totenschädel reduziert, zwischen den Löwentatzen eine Fackel als Symbol von Leben und Tod.