Kerschbuchhof bei Innsbruck

Gerhild Diesner

Innsbruck 1915 - 1995 Innsbruck

Kerschbuchhof bei Innsbruck

Öl auf Hartfaserplatte

59 x 62 cm

Rechts unten signiert und datiert: Diesner 59
Rückseitig bezeichnet: Kerschbuchhof

Ein Gutachten von Peter Konzert, Innsbruck, vom 26. März 2013 ist vorhanden.

Die 1915 in Innsbruck geborene Gerhild Diesner lernte während ihrer künstlerischen Ausbildung in London und Paris das Œuvre von Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Henri Matisse kennen. Kräftige Farben und klare Formen zählen zu den wichtigsten Bildelementen der Tiroler Malerin. Die meist an van Gogh und Matisse orientierte, flächige Ausarbeitung der Formen und die intensive Farbigkeit sind in diesem Zusammenhang die wesentlichsten stilistischen Merkmale, woraus wunderschöne Landschaftsbilder und Stillleben entstanden. Mit ihrem künstlerischen Schaffen leistete Gerhild Diesner einen Schlüsselbeitrag zur klassischen Moderne der österreichischen Kunst – die Wiener Presse berichtete 1951 Folgendes dazu (Zit. Gütersloh): „[…] dass die westliche Modernität, auf den Spuren der Franzosen von 1809, nach Tirol sich einschleicht […] die wenigen dortigen Modernisten, wie etwa Diesner, Flora, Honeder, sind trotz ihrer zahlenmäßigen Schwäche […] neu und revolutionär […] unsere Tiroler Avantgardisten […] zehren in einer Gegend, wo man herrliche Knödel isst, von dem Schock, den uns damals die französische Kunstküche erleiden gemacht hat“.
Einen Hauptteil des Œuvres von Gerhild Diesner machen Landschaftsdarstellungen aus. Inspirationen für diese stimmungsvollen Bilder schöpfte sie aus ihren zahlreichen Reisen. Zumeist sind klare, ruhige Szenen zu sehen, die sich aus der Komposition von kräftigen Farben zusammensetzen. Mit dem Werk „Kerschbuchhof bei Innsbruck“ schenkt sie uns einen Blick auf eine hinter Bäumen versteckte, am Fuße eines imposanten Berges liegende Hütte. Die hintere Ebene eröffnet eine Bergwelt, die in ein kräftiges Blau getaucht ist. Ein krönender Berg wird dort zum Hauptaugenmerk der Bildkomposition. Räumliche Tiefe schuf die Künstlerin durch die Aneinanderreihung verschiedener Motive in unterschiedlichen Flächen. Reduzierte Formen, gepaart mit leuchtenden Farben in Komplementärkontrasten und dynamischen Pinselstrichen lassen die ruhige Landschaftsdarstellung lebendig wirken – nicht umsonst gilt ihre Farbpalette als Stimmungs- und Ausdrucksträger ihrer Werke.
1 vgl. Matthias Boeckl, Gerhild Diesner 1915–1995, Innsbruck 2007, Abb. S. 55