Stehender Mädchenakt

Oskar Kokoschka

Pöchlarn 1886 - 1980 Villeneuve

Stehender Mädchenakt

Rohrfeder, Gouache und Aquarell auf Papier

68 x 51,5 cm

Dieser Mädchenakt wird in den zweiten Teil des Werkverzeichnisses „Weidinger/Strobl, Kokoschka. Die Zeichnungen und Aquarelle“ aufgenommen.

Literatur:

vgl. Ausstellungskatalog „Kokoschka und Dresden“, Albertinum, Dresden 1996 und Oberes Belvedere, Wien 1997, Abb. S. 178, Kat. Nr. 75 und 77

Kokoschkas Dresdner Jahre, zuerst als Rekonvaleszent nach einer Kriegsverletzung im Sanatorium in Dresden-Weißer Hirsch (Dezember 1916 bis Herbst 1919), dann als Professor an der Dresdner Kunstakademie (mit vielen Unterbrechungen durch Auslandsreisen bis Mai 1923), markieren eine künstlerisch ungemein fruchtbare Periode. Neben den Dresdner Elblandschaften und großen Bildnissen und Figurenbildern, Gemälden von brillanter Leuchtkraft, signalisieren insbesondere Kokoschkas Zeichnungen jener Jahre eine souveräne künstlerische Unmittelbarkeit und Freiheit. Innerhalb des Dresdner grafischen Oeuvres lassen sich hierbei zwei große Gruppen unterscheiden: einerseits Bildnis-zeichnungen, die meist mit schwarzer Kreide ausgeführt wurden, andererseits Tuschezeichnungen, welche die elementare Kraft der Linie als Kontur, als Binnenzeichnung, als Ausdruckswert beschwören. Die dynamische, schnelle, kraftimmanente Linien-führung der Rohrfederzeichnungen der Dresdner Jahre, die wenig Raum für alternative Möglichkeiten zuließ, konkretisiert diese als einen Höhepunkt in Kokoschkas gesamtem zeichnerischen Werk. Im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses standen dabei das Porträt und die Figur, das menschliche Wesen schlechthin, losgelöst von den Banalitäten des Augenblicks. In der Serie der mit Rohrfeder gezeichneten Bewegungsstudien nach Kindern nehmen zudem jene Blätter einen Sonderstatus ein, die zugleich aquarelliert sind: Unsere um 1921 zu datierende Mischtechnik eines stehenden Mädchenaktes manifestiert sich als ein signifi-kantes Beispiel für diese quantitativ sehr kleine Sektion.