„Eine große Mure reißt vom Gipfel eines Berges eine Rinne bis ins Tal, 1000 Meter lang … Und ein Tropfen rinnt durch eine feuchte, dicke Farbenschicht und wäscht eine Spur heraus, fünf Zentimeter lang. Überall geschieht das Gleiche …“1
Mit seinem solitären, in unzähligen nationalen wie internationalen Ausstellungen und zahllosen Publikationen rezipierten OEuvre nimmt Max Weiler (1910 – 2001) eine singuläre Stellung innerhalb der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts ein. Die Unverwechselbarkeit und Eigenständigkeit seines facettenreichen Werkes basieren dabei weniger auf einer spezifischen stilistischen Entwicklung als auf einer elementaren Verschiebung und Neudefinition des Bildbegriffs. Während seines gesamten künstlerisch äußerst produktiven Schaffens präsentiert sich die Natur als Ausgangspunkt und Bezugssystem von Weilers Malerei. Sie wird jedoch niemals als Gegenstand verstanden, der dargestellt oder interpretiert werden müsste.
„Ich habe das Geistige, das Landschaftsgefühl der unendlichen Landschaft, das Gefühl des in der Landschaft spürbaren Unendlich-Mystischen, das die Song-Chinesen und Grünewald und Caspar David Friedrich haben, durchgesiebt, durchgehämmert, geknetet und zu einer reinen Form gebracht, also verwirklicht – wirklich gemacht.“2
Max Weilers Malerei wird selbst zu einem organischen Vorgang. Sein Denken wurzelt in der unmittelbaren Erfahrung der Tiroler Landschaft ebenso wie in seiner intensiven Auseinandersetzung mit der chinesischen Landschaftsmalerei der Song-Dynastie (960 – 1279 n. Chr.). Es ist weniger die äußere Erscheinung der Natur als die ihr innewohnende Ordnung, die den Maler interessiert. Diese Auffassung bestimmt Weilers komplettes OEuvre und erklärt zugleich, weshalb er die Einordnung seiner Malerei als abstrakt stets ablehnte. Seine Bilder entstehen nicht durch eine Abkehr von der Natur, sie erwachsen aus ihrer fortgesetzten Durchdringung. Er inszeniert das Gemälde faktisch als „Naturprozess“. Weiler interessiert sich nicht länger für die äußere Gestalt eines Baumes oder einer Landschaft, er begeistert sich für die Dynamik ihres Werdens.
Max Weiler
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