Feuerbild

Franz Grabmayr

Kärnten 1927 - 2015 Wien

Feuerbild

Öl auf Leinwand

145 x 160 cm

Rückseitig monogrammiert und datiert: F.G / 2005

Provenienz:

direkt aus dem Nachlass des Künstlers

Franz Grabmayrs stringentes malerisches Œuvre fußt auf einer geradezu symbiotischen Verbindung von intensiver Naturerfahrung, körperlicher Unmittelbarkeit und radikaler Materialästhetik. In seinem persönlichen Erlebnisraum, der selbst gewählten Abgeschiedenheit des Waldviertels und seiner Kärntner Heimat, studierte er akribisch die elementaren Kräfte der Natur: Das lodernde Feuer von brennenden Wurzelstöcken, das er auf einem zum „fahrenden Atelier“ mutierten Traktoranhänger malend umkreiste, oder die bewegten Wassermassen des Kamp, die er, auf glatten Felsen mitten im Fluss balancierend, virtuos auf die Leinwand bannte. Die bildliche Metamorphose des Naturvorbildes, der ihm inhärenten Energie, in ein materialgewaltiges, expressives und zunehmend abstrakteres Bildobjekt war ihm dabei stets ein zentrales künstlerisches Anliegen. Als Impasto gespachtelte, zentimeterdick aufgetragene Farbpigmente, mit Leinöl eingedickt und mit Eiern, manchmal auch Sand, Koksasche oder Strohhalmen zu einer pastosen Masse verrührt, evozieren dreidimensionale, reliefartige Farbstrukturen, die Licht und Schatten brechen und haptisch erfahrbar sind. Neben kraftvoll-archaischen, plastischen
Landschaftsreliefs aus üppig geschichteter, sorgfältig austarierter Farbmaterie entstanden seit dem Anfang der 1970er-Jahre (bis zum Winter 2011) luftig-leichte, mit farbigen Tuschen dünn lasierend gemalte Aquarelle und Gouachen von tanzenden Modellen. In ekstatischer, gestischer Expression transformierte Franz Grabmayr den eigentlichen Bildgegenstand, die ausdrucksstarke Bewegung des Tanzes, in dynamische, weitgehend abstrakte Tuscheblätter. Ob in seinem Winteratelier im Wiener KarlMarx-Hof oder während der 1970er-Jahre bis einschließlich 1982 in der Wiener Staatsoper, mitunter auch im Zusammenhang mit nächtlichen
Feueraktionen: Bewegung war Grabmayrs prononciertes Lebenselixier. „Ich mal die Bewegung. Dann ist es Tanz! Tanz ist Dynamik!“ In der österreichischen Nachkriegskunst nimmt das kompromisslose, mit ungewöhnlicher Beharrlichkeit aus der unmittelbaren Naturanschauung entwickelte malerische Werk von Franz Grabmayr nicht erst seit der großen Retrospektive in der Wiener Albertina 2024 eine solitäre Stellung ein.