Judenburg 1950 - 1994 Wien
„4 pintjes für den Wolkenschieber“
Öl auf Leinwand
207 x 100 cm
Rückseitig betitelt, datiert, bezeichnet und signiert: 4 pintjes für den Wolkenschieber A‘pen 1984/85 Öl/Lwd. 100 x 207 cm Alfred Klinkan
In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre wurden die barocken Sammelsurien der "Wunderwelt"-Bilder, oft in Gelb-Rot, diese mustertapetenartigen Vexierbilder, abgelöst von Gemälden in greller und bunter werdenden, nahezu psychedelisch anmutenden Farben, deren Glühen und immaterielle Leuchtkraft Wilfried Skreiner, den legendären, langjährigen Leiter der Neuen Galerie Graz, 1985 dazu bewogen, Klinkan als "hintergründigen Alchemisten der Farbe" zu apostrophieren. Ein prononciertes Kolorit, häufig in fröhlich-bunten, manchmal schrillen Komplementärkontrasten, charakterisiert diese kraftvollen Werke, deren Protagonisten meist monumentale Gestalten in einer narrativen Bildumgebung sind.
1984, während eines weiteren Aufenthalts in seiner künstlerischen Wahlheimat Antwerpen, veränderten sich Klinkans Farbräume tiefgreifend. Die bisweilen laute, komplementärkontrastreiche Buntfarbigkeit seiner vitalen, farbintensiven Malerei wurde ersetzt durch eine insgesamt dunklere, samtige, wärmere und gleichzeitig transparente Farbpalette. Für die Entwicklung seiner unnachahmlichen figurativen Bildsprache waren Alfred Klinkans Jahre in Antwerpen ebenso unverzichtbar. Antwerpen bot Klinkan nicht nur die inspirierende Nähe zur reichen flämischen Maltradition, sondern auch ein geistiges Klima, in dem seine erzählerischen, mythisch aufgeladenen Bildwelten auf fruchtbaren Boden trafen. Außerdem präsentierte er hier seine ersten größeren Ausstellungen außerhalb Österreichs. Mit dem vieldeutig-humorvollen Bildtitel "4 pintjes für den Wolkenschieber" verweist Klinkan einerseits auf die flämische Bezeichnung "Pintje" für ein kleines belgisches Bier, andererseits auf die fiktive Figur des "Wolkenschiebers", der als eine Art poetischer Vagabund zwischen Himmel und Erde im feucht-kühlen Antwerpen gelesen werden kann. Alfred Klinkan verdankt seine singuläre Stellung in der österreichischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt diesem vielgestaltigen, von überbordender Kreativität und großer koloristischer Sensibilität getragenen Bildkosmos, der von seiner unbändigen Fabulierlust zeugt.