Hermann Nitsch

20. April bis 23. Mai 2026

 

 

 

 

Der Universalkünstler Hermann Nitsch, Aktionist, Maler, Komponist und Bühnenbildner, war nicht nur Mitbegründer und einer der signifikantesten Protagonisten des Wiener Aktionismus. Mit seinem originären künstlerischen Konzept des Orgien Mysterien Theaters positionierte er sich auch prominent innerhalb des illustren Zirkels österreichischer Künstler:innen mit internationaler Strahlkraft, welche die (europäische) Kunst nach 1945 mit ihrem exemplarischen Oeuvre maßgeblich determinierten.

Nitsch interpretierte das umfassende, ekstatisch-exzessive Schauspiel des Orgien Mysterien Theaters als einen ambitioniert-visionären Versuch, das Leben in seiner existenziellen Bandbreite sinnlich, körperlich und visuell erfahrbar zu machen. “meine arbeit ist eine feier des lebens und des todes, eine erinnerung daran, dass wir alle teil des ewigen zyklus des seins sind.” In diesem multimedialen Gesamtkunstwerk, das ein Einswerden von Kunst und Leben propagierte, nahm die Malerei eine privilegierte Stellung ein: Sie markierte den Ursprung der Aktionen und zugleich deren Ergebnis. Dabei stand nicht das unmittelbare subjektive Resultat im Vordergrund, sondern der dionysisch-dynamische, sinnlich-erregte Malprozess per se, den Nitsch als verdichtetes Leben und Inbegriff der Passion deutete.

Um 1960 entstanden die ersten Schüttbilder. Im Laufe der Jahrzehnte veränderten sich sowohl Substanzwert (flüssig versus reliefartig-pastos) als auch Farbigkeit. Bis in die späten 1980er-Jahre verwendete Hermann Nitsch für seine Bilder ausschließlich Rot, die für ihn intensivste aller Farben, Symbol für Blut und Fleisch, die Liebe, das Leben und den Tod. Seit etwa 1989 kamen auch die liturgischen Farben Grün, Blau und Violett sowie Gelb und Weiß zum Einsatz. “… am anfang stand das rot und das blut, auch das schwarz. und später habe ich alle farben des regenbogens eingesetzt …” Die Farben wurden von Nitsch geschüttet, gespritzt, gepinselt oder lustvoll mit der bloßen Hand aufgetragen und intuitiv, mit den Fingern wühlend, bearbeitet.

Vom 26. März bis zum 5. Juli 2026 zeigt das wiedereröffnete WAM-Wiener Aktionismus Museum mit der Ausstellung “HERMANN NITSCH. 1960-1965” beispielhafte Arbeiten aus dem Frühwerk dieser zentralen Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts.

Alle verfügbaren Werke finden Sie hier: