Feld am See 1927 - 1987 Villach
"Tränen"
Öl und Lack auf Hartfaserplatte, gebrannt
38 x 50 cm
Rückseitig signiert, betitelt und datiert: Bischoffshausen, "TRÄNEN", 1974
Werkverzeichnis Hans Bischoffshausen Band I-610
Provenienz:
direkt aus dem Nachlass Hans Bischoffshausen
Ausstellungen:
Klagenfurt, Alpen Adria-Galerie, "Hans Bischoffshausen, Retrospektive 1949–1983", 2012
Literatur:
Ausstellungskatalog "Hans Bischoffshausen, Retrospektive 1949–1983", Alpen Adria-Galerie, Klagenfurt 2012, Abb. S. 51
Hans Bischoffshausen, Werkverzeichnis Bd. 1, Arbeiten auf Holz und Leinwand 1964 bis 1984, hrsg. von Auktionshaus im Kinsky GmbH, Wien 2024, Abb. S. 211, WV Nr. I-610
Im Jahr 1959 übersiedelte Hans Bischoffshausen in die damalige Welthauptstadt der Kunst, nach Paris. Hier fand er Anschluss an die europäische Avantgarde und schuf ab 1960 etwa 200 Reliefbilder, monochrome Strukturreliefs, die seinen internationalen Ruhm als einer der „wenigen österreichischen künstler, die die entwicklungsspitze der zeitgenössischen kunst mitformulierten“1, begründeten. Bischoffshausens produktive Pariser Werkphase war von einer generellen Tendenz zur Reduktion bestimmt:
Zeit und Raum beschäftigten ihn. In der Wahl seiner bildkünstlerischen Ausdrucksmittel und Materialien exerzierte Bischoffshausen einen Purismus, der Rhythmus, Form, Zeichen, Struktur, Farbe und Material gleichermaßen umfasste. Strukturbildende Elemente, Vertiefungen, erhabene Strukturen, runde Druckstellen oder Lineaturen wurden auf einem bewusst
monochrom gehaltenen Grund in Serie platziert. In diesem Zusammenhang lotete Bischoffshausen die Grenzen der Sichtbarkeit aus. Nach seiner Rückkehr nach Österreich – 1971 nach Wien, ein Jahr später nach Villach – wandte sich Hans Bischoffshausen von der unbunten Farbe Weiß ab. Sein künstlerisches Credo „Ich treibe die Askese des
Weiß bis zum Ende“ verlor interimistisch seine Gültigkeit, Reliefbilder in Gold und Rot entstanden. Seine „Tränen“ von 1974 brennen sich gemeinsam mit Öl und Lack in die weiße Hartfaserplatte, ein Relief mit einem dunklen eingeschnittenen Brandmal in Form aneinandergereihter schwarzer Kugeln entsteht, welche die Trennung von Bild und Raum
einmal mehr auflöst.
1 vgl. Arnulf Rohsmann, „hans bischoffshausen (1927–1987)“, in: Ludwig Riedmann (Hrsg.),
Bischoffshausen, Klagenfurt 2008, S. 3–5, hier: S. 4