"Melancholie"

Maria Lassnig

Kappel 1919 - 2014 Wien

"Melancholie"

Aquarell auf Papier

69,5 x 50 cm

Rechts unten signiert, betitelt, datiert und gewidmet: Für Hans Albert Peters / M. Lassnig "Melancholie" / 1961
Links unten bezeichnet: Melancholie

Das Werk wird in das Werkverzeichnis der Maria Lassnig Foundation aufgenommen.

Provenienz:

Sammlung Tove Kijewski und Hans Albert Peters (Direktor des Kunstmuseums Düsseldorf 1979-1995)
im Erbweg zum Vorbesitzer

Ausstellungen:

Mannheim, Mannheimer Kunstverein, 1982
Hannover, Kunstverein Hannover, 1983
München, Kunstverein München, 1983
Düsseldorf, Museum Kunstpalast, 1983
Berlin, Galerie Haus am Waldsee, 1983
Graz, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, 1984, Maria Lassnig: Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen 1949-1982, Abb. S. 43, Nr. 46
Bern, Kunstmuseum Bern, 1995
Paris, Musée national d'art moderne, Centre Georges Pompidou,1996
Leverkusen, Museum Morsbroich, 1996
Ulm, Kunstmuseum Ulm, 1996
Graz, Kulturhaus der Stadt Graz, 1996

Literatur:

Ausstellungskatalog "Maria Lassnig, Zeichnungen und Aquarelle 1946-1995", Bern, Paris, Leverkusen, Ulm, Kulturhaus der Stadt Graz, 1996, Abb. S. 25

Grün, Petrol, Blau, Grau, verschiedene Brauntöne und vor allem fleischiges Rosa dominieren Maria
Lassnigs Bild „Melancholie“. Sämtliche Farben erscheinen in pastelligen Nuancen und entsprechen
dem Medium des Aquarells auf Papier: lasierend aufgetragen, leicht ineinanderfließend,
sich überlagernd. Die ursprüngliche Farbigkeit wird dabei bewusst manipuliert, sodass neue,
gebrochene Nuancen entstehen.
Maria Lassnig, 1919 in Kappel am Krappfeld in Kärnten geboren, setzte sich früh intensiv mit Farbe
und deren emotionalem wie fragmentarischem Ausdruckspotenzial auseinander. Spätestens seit
den 1950er-Jahren wandte sich die Malerin zunehmend vom Figürlichen ab und bewegte sich in
Richtung der Abstraktion. Sie spielte dabei eine zentrale Rolle bei der Etablierung des Informel in
Österreich, grenzte sich jedoch deutlich von den vorherrschenden Strömungen ihrer Contemporains
ab. Stattdessen entwickelte sie einen eigenständigen malerischen Ansatz, der den eigenen Körper
zum Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzung machte.
Lassnigs Körper fungiert dabei zugleich als Wahrnehmungsinstrument und Forschungsgegenstand.
Ihr Körpergefühl – die sogenannte „body awareness“, also die radikale Selbstbefragung des Körpers –
wird zum zentralen Thema ihres Werks. „Melancholie“ (1961) zeigt eine solche Auseinandersetzung
mit dem eigenen Körper, seinen Faiblessen und Fragmentierungen.
Dargestellt ist ein zusammengekauertes Wesen mit großen blauen Augen, breitem Körper und
Kinn, angedeuteten Füßchen und Händchen sowie nach unten gezogenen Mundwinkeln, das
am Boden Platz genommen hat. Im Hintergrund sind lediglich ein Tischbein und die Füße eines
Sessels erkennbar – sie unterstreichen die Kleinheit und Verletzlichkeit der amorphen Gestalt.
Dass es sich hierbei um ein Selbstporträt handeln könnte, liegt nahe: Zu deutlich sind die Parallelen
zu späteren Selbstbildnissen, zu persönlich das im Titel formulierte Thema der Melancholie, das
Lassnig kompromisslos und unmittelbar in Malerei übersetzt. Die sanften, beinahe lieblichen
Farbnuancen stehen – wie so häufig in ihrem Werk seit den 1960er-Jahren – in starkem Kontrast zu
den existenziellen und zutiefst persönlichen Fragestellungen, die ihre Arbeiten durchziehen.
Maria Lassnig starb 2014 in Wien. Sie hinterließ als eine der bedeutendsten österreichischen
Künstlerinnen der Gegenwart ein ebenso radikal persönliches wie nachhaltig einflussreiches Œuvre.